Samstag, 31. Dezember 2011

Die Fragen sind zurück


 
Es ging schneller als ich dachte, da hatte ich das neue Buch von Ranga Yogeshwar in den Händen, in dem erneut auf sämtliche drängende Fragen geantwortet wird. „Ach so!“ ist nicht nur der Titel des Werks sondern auch die Reaktion der Leser auf die ein oder andere vielleicht überraschende Antwort.
Habe ich mich bei seinem ersten Buch (das ich *hier* besprochen habe) noch über den Untertitel geärgert, scheint nun alles perfekt, wenn es heißt: „Warum der Apfel vom Baum fällt und weitere Rätsel des Alltags“.

Quelle: http://www.kiwi-verlag.de/
Dieses Mal gibt es 99 Fragen und Antworten, die thematisch geordnet sind und sich in folgenden Kapiteln zusammenfinden:
1. Warum drehen sich Knödel im Topf? Ausgekocht: Küchengeheimnisse
2. Warum kann Mehl explodieren? Aufgepasst: Kleine und große Katastrophen
3. Warum soll man Blumen anschneiden? Naturgeheimnisse: Pflanzen, Tiere und Menschen
4. Warum ist der Luftdruck in einem Fahrradreifen höher als im Autoreifen? Ausgerechnet: Die Physik des Lebens
5. Warum schwimmt ein tonnenschweres Schiff? Auf den Weg gebracht: Wie wir vorankommen
6. Was hat Politik mit Kuscheltieren zu tun? Auf den Punkt gebracht: Woher die Wörter kommen
7. Sollte man bei kleinen Wunden ein Pflaster benutzen? Was in uns vorgeht: Körper & Geist
8. Was haben Tulpen mit der Finanzkrise zu tun? Ausgesucht: Menschliches und Allzumenschliches
9. Was ist der Preis für unsere Ungeduld? Angemerkt: Ein Blick über den Tellerrand
Alles schick, alles toll. Wie immer tolle Fragen, tolle Antworten. Aber eine ließ mich dann kurz innehalten: Warum bekommen Spechte keine Kopfschmerzen? Das kam mir irgendwie bekannt vor, sowohl die Frage als auch die Antwort. Genau dieser Sachverhalt war mir vor nicht allzu langer Zeit erst im Fernsehen erklärt worden, und zwar in einer etwas anderen Situation: im Stand-up-Comedy. Natürlich hat Dieter Nuhr den Erklärbär gegeben. Er ist ja bekannt für seine gut durchdachte, oder gar als intelligent vermarktete Comedy. Nun frage ich mich natürlich, wer hier bei wem abgeschrieben hat. Das ist natürlich eine gemeine Unterstellung. Vielleicht hatten beide zufällig die gleiche Idee und die Recherche führte sie natürlich auch zur gleichen Antwort. Wie dem auch sei, das zeigt mir, dass Wissen – wenn entsprechend ansprechend verpackt – auch enorm unterhaltsam und massenkompatibel sein kann. Von mir aus können beide also gern weiter kooperieren – vielleicht sogar mal gemeinsam auf der Mattscheibe?!
Wie auch im ersten Buch sind die Antworten auf die Fragen in kleinen Alltagsanekdoten des Autors verpackt. Damit verknüpft Ranga Yogeshwar subjektive Empfindungen und Erlebnisse mit objektiven Erklärungen zu (natur)wissenschaftlichen Phänomenen. Trotz meiner Begeisterung für das Projekt finde ich jedoch ein Haar in der Suppe. Im letzten Kapitel überwiegt meines Erachtens die subjektive Färbung der Beiträge. Herr Yogeshwar mokiert sich zum Beispiel über die Ungeduld in unserer Gesellschaft. Genau an der Stelle habe ich auch etwas dazu gelernt, sodass ich meinen Blogbeitrag über die neue Fernsehkultur (*klick*) überdenken müsste. Er schreibt: „Seit Jahren sinkt die durchschnittliche Verweildauer der Zuschauer pro Fernsehsendung (…). Die Medien stellen sich inzwischen darauf ein: Kurzweiligkeit ist angesagt (…), es gibt keinen ‚Anfang’ und kein ‚Ende’ mehr. Der Quereinsteiger ist ungeduldig; wenn man ihm nicht sofort einen ‚Kick’ serviert, ist er im nächsten Moment schon auf einem anderen Kanal.“ (S. 258f.)
Abgesehen von dieser Erkenntnis stört mich an diesem Kapitel ein wenig die Ballung von Beschwerden über unsere moderne Gesellschaft. Es wird permanent über die Nachteile z.B. der zunehmenden Digitalisierung philosophiert und damit verbundene Probleme wie Entfremdung der Menschen beleuchtet. Das Ganze kommt mir jedoch so geballt vor, dass einem der erhobene Zeigefinger fast ins Auge gepiekt wird.
Wenn es für dieses Buchprojekt erneut einen Nachfolger geben wird, hoffe ich, dass es nicht in ein Meckerbuch abrutscht. Gemeckert wird doch in unserer Gesellschaft schon genug. Abgesehen davon ist es so großartig, dass ich mir regelmäßig eine Dosis Fragen & Antworten im Jahr gut vorstellen könnte. Für alle, die nicht so lange warten wollen: kürzlich habe ich die Zeitschrift „P.M. Fragen & Antworten“ für mich entdeckt. Das Konzept ist ähnlich. Fragen aus allen Bereichen des Lebens werden beantwortet – bunt gemischt aus allen Bereichen und sehr sachlich verfasst.
Fazit: Ein tolles Buch, dessen Lektüre ich wie folgt empfehle: erst in einem Rutsch durchlesen, dann ins Regal stellen und immer mal wieder in einzelnen Kapiteln stöbern (man merkt sich nämlich leider nicht alles).
Geeignet für: Wissensdurstige, die vielleicht sogar das Ziel haben, mal Herrn Jauch auf dem WWM-Stuhl gegenüberzusitzen.  
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Samstag, 24. Dezember 2011

Frohe Weihnachten!

Liebe Blogleser_innen,
ich wünsche euch allen und euren Lieben gesegnete Weihnachten, besinnliche und vor allen Dingen gesunde Festtage und vielleicht das ein oder andere gute Buch unterm Weihnachtsbaum oder was ihr euch sonst so Schönes wünscht. Über dem Materiellen steht aber natürlich die Liebe und Zufriedenheit sowie die gemeinsame Zeit mit Familie und Freunden.
Lasst es euch gut ergehen und genießt die Auszeit!
Bis bald!

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Alice

In Hamburg auf der Reeperbahn
Wohnt Alice mit dem Schmerzenzahn.
Jeder Nerv ist schon ganz taub,
Sie hält Dezemberschnee für Staub
Und tanzt Ballett in ihrem Wahn.

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Meg Darcy, die Dritte


Eigentlich sind Krimis nicht gerade mein liebstes Genre. Immer nur Mord und Todschlag. Das gibt es doch in der Realität schon so viel. Um eine Ermittlerin komme ich aber nicht so richtig herum: Meg Darcy.

Mir ist vor langer Zeit ihr erster Fall „Eiskaltes Blond“ zwischen die Finger gekommen. Irgendwie habe ich dann doch Gefallen an ihr gefunden, sodass ich mir auch den zweiten und dritten Fall („Lady Madonna“ und „Mütterchen Frost“) zugelegt habe. Die Serie entstammt der Feder von Jean Marcy. Das Pseudonym steht für ein amerikanisches Autorinnenduo, das auch privat gemeinsame Wege geht.
Meg Darcy ist Privatdetektivin in St. Louis und angestellt in der Sicherheitsfirma ihres Onkels. Ihre Aufträge bringen regelmäßig kriminalistische Tatbestände ans Tageslicht. So auch dieses Mal in "Mütterchen Frost". Adoptivmutter Diane Mann will die leibliche Mutter ihres Kindes ausfindig machen. Sie plant die Scheidung von ihrem aggressiven Ehemann und will die besten Chancen auf das Sorgerecht für ihre Tochter haben. Ob bei der Adoption alles mit rechten Dingen zugegangen ist?
Als Darcy zu schnüffeln beginnt, entdeckt sie Zusammenhänge zu einem bisher ungelösten Mordfall. Was für ein netter Zufall, dass ihre Lebensgefährtin Sarah Lindstrom, Polizistin in St. Louis, gerade alte Fälle aufklären will und Darcy Zugang zu Polizeiakten verschaffen kann.
Ich gebe zu, an der Serie begeistert mich mehr Darcys Privatleben als der Krimi-Aspekt. Man darf beim Lesen keine zu großen Pausen einlegen, damit man nicht die Namen von den befragten Zeugen und die Fakten zum Fall vergisst. Vielleicht ist das ja normal. Wie gesagt, ich bin keine Krimi-Expertin.
Was Darcys Privatleben also angeht, tut sich so einiges. Die Beziehung zu Lindstrom ist mittlerweile auf eine neue Stufe gehoben worden. In die Anziehungskraft, die sie bisher nur verbunden hat, mischen sich Problemchen. Das Paar ist in der Realität angekommen. So gibt es zum Beispiel Unstimmigkeiten beim Thema Geld. Lindstrom kann größere Ausgaben aus dem Ärmel schütteln. Zum einen Dank ihres Polizistinnengehalts, zum anderen Dank der Erbschaft ihrer Exfreundin (die in Teil 1 ermordet in Lindstroms Haus aufgefunden worden war). Sie leistet sich ein neues Auto und liebäugelt mit Immobilien. Darcy hingegen kann ihren Onkel nicht um eine Gehaltserhöhung bitten, schon allein weil sie das Personal der Firma für ihre Ermittlungen beansprucht. Eine weitere Belastung ist, dass Lindstrom auf der Arbeit gemobbt wird, seitdem bekannt geworden war, dass sie lesbisch ist. Sie ist jedoch viel zu stolz um rechtliche Schritte einzuleiten und versucht sich lieber auf ihre Weise durchzubeißen und sich einen Panzer zuzulegen.
Was mir an allen drei bisher gelesenen Darcy-Fällen positiv aufgefallen ist: das letzte Viertel ist immer so spannend, dass es sich binnen kürzester Zeit wegliest. Und ein phänomenales Finale ist garantiert.
Ich werde wohl nicht um den vierten Fall, „Kreuz-Königin“, herumkommen.
Fazit: Flotte Lektüre für kalte Winterabende, zwar ohne Weihnachtsstimmung aber mit viel Schnee.
Geeignet für: Krimi-Freunde_innen
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Dienstag, 13. Dezember 2011

Rassismus im Schuhschrank


Da bin ich wieder. Unter anderem mit der Frage: Warum ist die Vorweihnachtszeit eigentlich so stressig? Diesen Artikel hätte ich am liebsten schon am 5. Dezember gepostet, komme aber jetzt erst dazu. Am 5. Dezember? Was ist denn da los? Klar, Schuhe putzen. Denn auch als Erwachsene mag ich diese Tradition am Abend vor Nikolaus.
Was entdecke ich denn da in einem Schuhkarton in der hintersten Ecke des Schranks? Seht selbst:
Ich dachte gleich: hui, ist das denn überhaupt politisch korrekt? Darf man im Firmenlogo die Silhouette eines/einer Schwarzen darstellen? Auf mich wirkt die Person ja definitiv schwarz, auch durch die Assoziation zum Wort ‚Mohr’ im Logo. War dieses Design gewählt worden, damit die Schuhe nach dem Putzen der Hautfarbe von Schwarzen gleichen? Oder weil Schwarze eine Geschichte der Sklaverei haben, in der sie auch so Drecksarbeit gemacht haben wie Schuhe putzen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Schuhpolitur für helles Schuhwerk einen nordischen Hünen im „O“ verwendet. Da also die zweite Interpretation nicht ganz ausgeschlossen werden kann, darf man in meinen Augen ein solches Logo nicht verwenden. Das fanden andere offenbar auch, denn online finde ich dazu auch nichts mehr. Vermutlich gab es eine Logoüberarbeitung und Umbenennung. Leider kann ich auch nicht sagen, wie alt diese Dose ist, weil ich kein Herstellungsdatum o.ä. gefunden habe, aber es ist nicht auszuschließen, dass sie noch aus der Zeit stammt, als man ‚Negerkuss’ statt ‚Schaumkuss’ sagte. Aber irgendwie finde ich Assoziationen mit Schuhpolitur bedenklicher als Schokolade.
Wo wir gerade bei Schokolade sind, fällt mir auch der beliebte Sarotti-Mohr ein. Vielleicht hat ihn der oder die ein_e oder andere von euch am 6. Dezember in euren Stiefeln entdeckt. Auch bei Sarotti wird ja mit einem Schwarzen geworben. Irgendwie setzen da ein bisschen die objektiven Bewertungsmaßstäbe bei mir aus. Schokolade finde ich einfach toll und daher empfinde ich nur positive Gefühlsregungen, wenn ich das Sarotti-Logo sehe und Sklaverei ist da das letzte, woran ich denke. Der Objektivität wegen habe ich mich dennoch belesen und voilà: „Der Sarotti-Mohr wurde oft kritisiert, da viele in der Figur des Dieners einen versklavten Afrikaner sahen“ (Quelle: Wikipedia). Daher ist der Sarotti-Mohr seit 2004 gar kein ‚Mohr’ mehr sondern ein ‚Magier der Sinne’ mit goldener Hautfarbe. Bin ich eigentlich die Einzige, die das nicht mitbekommen hat?
Wie dem auch sei, den Ausflug in die Welt der Werbung finde ich durchaus spannend. Wir sollten öfter mal innehalten und darüber nachdenken, was uns wie verkauft wird. Die Dose Schuhpolitur werde ich auf jeden Fall aufheben. Mal sehen, was die Generation meiner Enkel dazu mal sagen wird.


Sonntag, 4. Dezember 2011

Franka

Die schöne Franka aus Berlin
Will täglich um die Häuser ziehn,
Doch findet keine Schuhe
In ihrer Truhe.
So spart sie ihre Energien.