Sonntag, 29. Januar 2012

Wirtschaft ankurbeln für Fortgeschrittene!


Seit über einer Woche schleppe ich ihn mit mir herum, den kleinen Blaugrüngrauen, mit Hologramm verzierten… Ach, seht selbst.
Ich Glückliche habe ihn nämlich unlängst gefunden. Geknickt und traurig war er am Boden (nicht zerstört). Keine Menschenseele mit Verlustanzeichen weit und breit.
Was dachte ich da sofort? Davon gönne ich mir etwas! Nur für mich und mein Ego, ein kleines Bonbönchen für die Seele, ein Geschenk, wo man sich sonst – so zwischendurch doch nix schenkt.
Aber WAS?
Natürlich fallen mir da schnell diverse Produkte aus dem Unterhaltungssektor ein, für die er eine Anzahlung sein könnte. Aufzählungen beginne ich da gar nicht erst. Man könnte mit ihm aber auch ins Kino oder auf eine Party gehen. Oder einen Cocktail trinken. Oder die Wochenration Schokolade aufstocken. Die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt… Na ja, nicht ganz. Gourmet-Restaurantbesuch, Bunjee-Sprung oder Urlaub fallen Gott sei Dank (oder leider) flach. Und eine Stripperin würde für den mickrigen Betrag wohl höchstens ihre transparente Feinstrumpfhose runterlassen. Wo wir gerade bei Klamotten sind, vielleicht würde ich etwas Kleines in einer Winterschlussverkaufabteilung finden (wobei ich keine Schals, Mützen etc. brauche – trotz nun doch anbrechenden Winters).
Wie dem auch sei, alle Ideen sind so – nun ja, ich will mich nicht beschweren, aber sie sind doch irgendwie nichts Neues (für mich). Am reizvollsten ist bisher noch der Gedanke, Lotto zu spielen (obwohl ich ja auch eine gewisse Stochastik-Ausbildung während meiner Schulzeit genossen habe, die mir diesbezüglich Skepsis eingeflößt hat).
Ich dachte also, ich bitte einfach mal meine Blogleser_innen um innovative Ideen, um Ideen, auf die ich selbst nie im Leben gekommen wäre. Da muss es doch etwas geben. Casinobesuch, Pferderennenwette, Tattoo, Haustieranschaffung. Irgendetwas Horizonterweiterndes bitte, etwas, das ich noch nie gemacht habe (ich berichte im Anschluss natürlich auch gern an dieser Stelle von dem Abenteuer). Was wolltet ihr zum Beispiel immer schon mal tun oder besitzen, aber habt es insgeheim doch immer als Geldverschwendung angesehen?
Schlagt schnell was vor, sonst wandert der Fünfer am Ende doch noch ganz langweilig in den Sparstrumpf!


Montag, 23. Januar 2012

Kate Delafield, die erste Zweite

 

Es ist bereits Kates zweiter Fall, für mich jedoch der erste, den ich von ihr gelesen habe. Dennoch nenne ich sie bereits jetzt liebevoll beim Vornamen.

Quelle: argument.de
Katherine V. Forrests „Die Tote hinter der Nightwood Bar“ hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Die Ermittlerin der Mordkommission in Los Angeles, Kate Delafield, wird zum Tatort eines abscheulichen Verbrechens gerufen. Ein junges Mädchen, hübsch, zart, engelsgleich, wurde mit einem Baseballschläger erschlagen. Ihr Gesicht im Tode eine verzerrte Fratze, ihre Augen kalt und durchdringend. Sie müsste alt genug sein, um sich am Tatort, dem Parkplatz hinter einer Lesbenbar (also auch einem Ausschankort für Alkoholisches) herumzutreiben. Dennoch findet Hansen, der Leiter der Mordkommission, dass sie viel jünger aussieht, „wie ein Kind“. Mit gefälschtem Ausweis trieb sich Dory Quillin in der Nightwood Bar herum, kampierte mit ihrem Bus dauerhaft auf deren Parkplatz.

Kate und ihr machohafter Partner Ed Taylor (der mehr als einmal etwas ausspricht, worüber er offensichtlich nicht sonderlich lange nachgedacht hat) betreten die Nightwood Bar auf der Suche nach Zeugen. Die anwesenden Frauen bilden eine geschlossene Front gegen die beiden Ermittler. Viel zu oft sind ihrer Meinung nach Homosexuelle von der Polizei ungerecht behandelt worden, Verbrechen an ihnen verharmlost worden. Aber Kate steht auf ihrer Seite (ist eine von ihnen) und das erkennen auch bald einige der Anwesenden, die nach und nach Auskunft geben. Stück für Stück ergibt sich für Kate und Taylor der Ansatz zu einem Puzzle. War das Verbrechen von allgemeinem homophoben Hass motiviert? Womit verdiente Dory ihr Geld? Und was für Eltern setzen ihr Kind auf die Straße und verweigern ihre Existenz (weil sie lesbisch ist)?

Die Ermittlungen wirbeln viel in Kate auf. Alte Erinnerungen nagen an ihr. Und dann gibt es da diese Frau aus der Nightwood Bar, die Kate besonders berührt, nicht nur wegen ihrer offenen Aussage.

Der Roman erschien 1987 im englischen Original, hat aber bis heute kaum an Aktualität verloren.

Fazit: Hochspannender Krimi mit wunderbaren Figuren und (für mich) überraschendem Ermittlungsergebnis.

Geeignet für: Ariadne-Freund_innen

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Samstag, 21. Januar 2012

Schreiben & Trinken


Ich sitze hier mit einer großen Kanne Tee und - toll (weil neu angeschafft) – Rumkandis, den ich immer wieder dem Tee in meiner Tasse beimenge. Perfekt also, um über ein bestimmtes Thema zu bloggen.
Schreiben führt ganz automatisch und unweigerlich in den Alkoholismus. Sagt man so. Also, hab ich mal gehört. Von gewissen…Quellen. Vielleicht würde es Aufschluss geben, einen Blick in die Literaturgeschichte, z.B. in Richtung großer Schreiberlinge und deren Alkoholkonsum, zu werfen. Aber das ist mir jetzt zu anstrengend und ich lebe ja im Hier und Jetzt und ich bin ich.
Ich bin ja noch keine große Autorin. Von daher brauche ich mich eigentlich auch gar nicht wundern, dass ich noch keine Alkoholikerin bin. Aber es ist schon ziemlich kontrovers bei mir. Ich mag überhaupt keinen Alkohol beim Schreiben (also so richtigen, z.B. Wein oder ähnliches), weil ich dann ziemlich müde und unkonzentriert wäre. Wie uncool wäre denn das, wenn man sich gerade so festgeschrieben hat (dann, wenn man vergisst zu essen!!) und dann wird man plötzlich müde und muss frühzeitig aufhören.
Wenn ich trinke, dann wirklich am liebsten in Gesellschaft (oder wenn ich einschlafen will). Nun ist ja das Schreiben per se eine ungesellige Tätigkeit. Sicher, es gibt Schreibgruppen, Teamarbeit und dergleichen, aber wenn man nicht wirklich über jeden Satz abstimmt (und das ist unter Umständen ein langwieriger Prozess), liegt die Hauptarbeit letztlich an jeder Person einzeln. Es ist und bleibt Einzelarbeit und daher macht Trinken an der Stelle für mich relativ wenig Sinn (These hiermit widerlegt).
Vor nicht allzu langer Zeit war auf der Facebook-Fanseite von David Safier zu lesen, dass er nicht ohne Kaffee schreiben könne. Das gibt der Überschrift dieses Eintrags schon wieder eine ganz andere Dimension. Schreiben und Trinken. Ob das am Genre liegt, ob man lieber Wein süffelt, Bierchen zischt, Cola kippt, Kaffee konsumiert oder Tee trinkt? Kann sich da bitte mal jemand drum kümmern und eine umfangreiche Untersuchung machen und mich anschließend in Kenntnis setzen? Denn vielleicht ist es sogar andersherum: das Getränk beim Schreiben bestimmt das Genre des entstehenden Textes! Vielleicht sollte ich einen Selbstversuch starten. Jeden Abend ein anderes Getränk und dann ein leeres Dokument öffnen und warten, was mich an Prosa anspringt.
Also so viel kann ich noch sagen: als ich mal bei dem ein oder anderen Schreibworkshop war, was gab es da wohl zu trinken? Tee. Tee en masse. Ich liege also gar nicht so falsch. Vielleicht ist die feine Rumnote, die ich seit heute hinzufüge, ja das i-Tüpfelchen, das nötig ist?! Wir werden sehen.
Vielleicht habe ich alles auch ganz falsch verstanden und Schreiben führt deswegen in die Alkoholsucht, weil man regelmäßig was braucht um einzuschlafen?! Ich muss da noch mal meine Quellen befragen, vielleicht bei einem Wein?
Lasst es euch gut gehen. Und Prost!


Freitag, 20. Januar 2012

Carla


„Alaaf“, ruft Carla aus Kölle so gern.
Zum Rosenmontag ist sie nie sehr fern.
Doch dies’ Jahr erkrankt
Liegt sie im Bett, das schwankt.
Verschluckte sich an einem Apfelkern.

Donnerstag, 19. Januar 2012

A long way down


Four people, who could not be any more different, meet by coincidence on the roof of Topper’s House, one of the highest buildings in London and famous for its suicide rate. It’s New Year’s Eve but instead of watching the fireworks they want to jump off the tower and end their lives.
That’s the beginning of Nick Hornby’s “A Long Way Down”. I soon thought it would have some kind of ‘Veronica Decides to Die’-mentality: someone wants to die – they get back into life – they decide life isn’t so bad after all. “A Long Way Down” is quite different though, not so melancholic, but more bittersweet, even funny at times, in a black British-humour-way.
The story begins with Martin Sharp, a (former) TV-presenter who has been in jail for sleeping with an underage girl (of course he hadn’t known she was underage). He has lost his ex-wife and their two daughters, his girl-friend and he has messed up his career. Enough reasons to step on that roof.
Maureen appears, fifty-one year old single parent to a disabled son who is not able to lead an independent life. She is all alone, without a job and without any friends, has never been abroad in her life and not on holidays since her son was in elementary school. Her only anchor in life is her belief in God (which makes suicide a lot harder since it’s the sin of the sins).
Martin and Maureen are friendly to another, one is cutting the fence for the other or holding the ladder. Why should they stop each other when they are both desperate?
Jess steps on the roof and changes everything. She is a rebellious teenage girl and Martin and Maureen agree that she is simply too young to end her life just yet. They throw her to the ground and hold her so she can not come near to the ledge. And her reasons don’t seem to be very convincing either: her boyfriend broke up with her and owes her an explanation.
Enter JJ – with several boxes of pizza. The American delivery guy thought instead of delivering them he should throw himself off of that roof for not being a rock star (anymore) and not having a girlfriend (anymore) and not having a proper job at all. Okay, saying ‘I want to be a rock star’ sounds a bit silly, so he decides to say: “I’ve got CCR – an incurable brain disease” (and while CCR officially stands for Creedance Clearwater Revival, JJ translates it with ‘Cranial Corno-something’).
They eat the pizzas and suddenly feel a bit sheepish sitting there together wanting to jump. Luckily, Jess asks them to come to a party with her to look for her ex. So they leave the roof and delay what they intended to do there. They start being some kind of a gang, a strange mix of people who discuss their motivations for suicide and their situations. When the right moment comes they publicise how they met (not without exaggerating a bit to get the full media attention). And suddenly it has happened that they are all more involved in each other’s lives than they would have ever expected.
Each chapter is written from the perspective of either one of them, revealing their unique characters and biographies (and step by step more secrets). I really enjoyed how Hornby created interior monologues so different that already from the language you knew who was speaking without having to look at the name. All of them were completely authentic. This is one of the great achievements of this novel.
Subconsciously I was expecting some kind of romance as well – maybe even two: M&M (Martin & Maureen) and J&J (Jess & JJ) (who all seemed to fit quite okay). Then I thought at times that it was Maureen and JJ (and therefore also Martin and Jess) would become an item at some point (maybe even because they were so different, for example in age and mentality). But I’m not going to reveal the outcome of my speculations.
“A Long Way Down” is a journey of four very different people, their intentions sometimes changing from day to day but with unmistakable development of their personalities. For each reader there is probably one character to identify with. For me, it turned out to be JJ. My favourite utterance of his was: “We all spend so much time not saying what we want, because we know we can’t have it. And because it sounds ungracious, or ungrateful, or disloyal, or childish, or banal.” (p. 198) Very well done, Mr Hornby!
Check this out.


Donnerstag, 5. Januar 2012

Die etwas andere Castingshow


Über Castingshows habe ich mich ja bereits ein wenig ausgelassen. Seit geraumer Zeit trage ich aber auch eine Fantasie zu einer etwas anderen Castingshow mit mir herum. Tja und wenn nicht hier, wo soll ich es denn dann ansprechen? Also, lehnt euch mal zurück und teilt meinen Traum.

Ganz deiner Routine entsprechend, machst du es dir mit Chips auf dem Sofa bequem und lässt deinen anstrengenden Arbeitstag am Abend statt mit geistig erquickender Kost mit einer Castingshow im Fernsehen ausklingen, deren Ablauf du eigentlich schon erahnen kannst, noch bevor sie überhaupt begonnen hat. Du bist ja den Castings nicht gänzlich abgeneigt. Deine innere Voyeurin liebt es doch, zu beobachten wie wildfremde Leute sich seelisch nackig machen. Außerdem nimmst du doch selbst so gern auf dem Chefjurorensessel deines Wohnzimmers Platz und bejubelst oder zerreißt die vermeintlichen Talente. Aber genau das darf nicht mehr sein. Es beschämt dich, wie es eine Fernsehsendung schafft, dich eine Quotensaison lang in ihren Bann zu ziehen, bevor du Monate später die Namen der Castingkandidaten längst wieder vergessen hast.
Fast am Ende deiner Hoffnungen schaltest du um auf einen öffentlich-rechtlichen Sender. Du kannst schließlich nicht bis zum Ende deiner Tage immer wieder der gleichen Alicia-Keys-Interpretation lauschen.
Auch dort beginnt gerade eine Sendung. Kurz sind deine Hoffnungen enttäuscht, als du mitbekommst, dass es wohl ebenfalls eine Castingshow sein muss. Jetzt haben sich sogar schon die öffentlich-rechtlichen infiziert! Doch dann marschiert die Jury ein: Marcel Reich-Ranicki, Elke Heidenreich und Charlotte Roche. Unter Applaus nehmen sie Platz. Reich-Ranicki natürlich in der Mitte. Die kleine Voyeurin, die in der wohnt, quiekt kurz erfreut, als sie den deutlich erkennbaren Widerwillen bei Reich-Ranicki erspäht und den sichtlichen Abstand, den er zu seiner ganz jungen Kollegin einhält. Vor ihnen je ein intellektuelles Glas stillen Wassers. Der Moderator stellt sich, die Sendung und die Jury vor, Herr Reich-Ranicki kann kaum abwarten, das Wort zu ergreifen.
Dann geht es los. Die Top 10 Kandidat_innen marschieren mit geschwellter Brust auf der Bühne ein, modisch bis elegant gekleidet, aber ganz ohne Glitzer auf Haut oder Haar.
Dann verschwinden alle wieder und der erste Kandidat wird in einem kleinen Homestory-Film vorgestellt. Sein größter Traum geht in Erfüllung, sagt er. Er will es schaffen, will die Nummer eins werden, hat nie ein anderes Ziel im Sinn gehabt.
Dann erhält er seine fünf Minuten – und hier durchblickst du zum ersten Mal das geniale Konzept der Sendung. Prominente lesen die Texte der Jungautoren, damit niemand aufgrund von Lampenfieber, unangenehmer Stimmlage oder ähnlichem benachteiligt wird. Mario Adorf verleiht dem Text des ersten jungen Autors an diesem Abend eine unerwartet reife Stimme. Ihm folgen Sarah Kuttner, Thomas D, Iris Berben, Jürgen Domian, Barbara Schöneberger, Dieter Nuhr, Anke Engelke, Ranga Yogeshwar, Andrea Sawatzki, Ben Becker und viele andere. In dieser Castingshow auftreten zu dürfen, ist wie ein Ritterschlag. Fast so gut wie „Wetten dass…“ moderieren zu dürfen, nur weniger langfristig verpflichtend. Die Promis sind erfreut, junge Talente fördern zu können und sagen im Anschluss flugs selbst ein paar Worte dazu, wie sie sich mit dem Text identifizieren konnten sowie ein bisschen Schleichwerbung zu eigenen aktuellen Projekten.
Die fünf Minuten sind um. Der Text endet in einer berauschenden Pointe. Der Moderator greift den roten Faden wieder auf. Irgendwie passt der Text schließlich zum Motto der Show. Noch einmal wird betont, dass der Kandidat nur eine Woche Zeit hatte, den Text zu schreiben. Viel Zeit war ja auch durch Schreibworkshops und Coaching von internationalen Topautoren draufgegangen.
Dann sagt die Fachjury ein paar Worte und regt das Fernsehpublikum zu zahlreichen Anrufen für ihre Lieblingskandidaten an. Das Ganze machen sie zehn Mal. Am Ende werden die Gewinner gekürt, die sich plötzlich benehmen wie Fußballer nach einem Torschuss beim Länderspiel. Einer oder eine weint am Ende.
Von Woche zu Woche stehen die Teilnehmer immer mehr unter Druck, ihre Texte müssen immer länger, abendfüllender werden. Es wird immer mehr Kreativität, Brillanz und Abwechslung erwartet und dennoch eigener, wiedererkennbarer Stil als Maßstab gesetzt. Bald gibt es die erste Fanpost. Nina Moghaddam gibt in der Nachmittagsshow einen Einblick ins Privatleben der Jungautoren, die natürlich in einer Villa zusammengepfercht leben und miteinander auskommen müssen. Du guckst das natürlich nur, um es deiner kleinen Voyeurin recht zu machen. Immerhin gibt es schlimme Skandale, als jemand seinen USB-Stick an einem der gemeinschaftlichen Arbeitscomputer stecken lässt und danach eisige Stimmung im Haus herrscht, weil der Betreffende vermutet, ausspioniert worden zu sein. Zwei andere Teilnehmer kichern wild, als Nina Moghaddam sie fragt, ob sie denn nun ein Paar wären.
Eine Staffel lang geht dein Herz auf und du verfolgst gespannt die Heldentaten und die abenteuerliche Reise der Jungautoren. Der Gewinner oder die Gewinnerin darf ein längeres Werk bei einem renommierten Verlag veröffentlichen und geht anschließend auf Lesereise.
Nach der dritten Staffel hast du jedoch das Gefühl, alles schon längst gesehen zu haben. Es sind immer dieselben Stars und Sternchen, die sich für Lesungen hergeben. Es ärgert dich, dass nur einer der Jurorenstühle konsequent von derselben Person besessen wird. Du beschließt, deinen Fernseher aus dem Fenster zu schmeißen. Hilflos sitzt du auf dem Sofa. Auch der Griff zum Bestseller des letzten Castinggewinners macht dich nicht glücklich. Du beschließt einen alten Freund anzurufen. Er spricht ganz begeistert von der aktuellen Staffel und seinem Liebling.
Du sinnierst noch einmal über deine Alternativen zur Abendgestaltung und holst schließlich deinen Fernseher zurück. Gott sei Dank wohnst du parterre. Und irgendwie warst du ja schon neugierig, ob dein Liebling diese Woche herausgewählt wird.


Mittwoch, 4. Januar 2012

Edelunrat



Laurence verschluckte sich fast an seinem Wasser, als er den Titel seines Manuskripts im Fernsehen hörte. Er stellte sein Glas ab und starrte auf den Bildschirm, der ‚Books Today’ ausstrahlte, seine Lieblingssendung und Literaturtalkshow. Der Moderator stellte gerade einen nichtssagenden Mann namens Peter Rendell vor. Sein langes, dunkles Haar mit grauen Strähnen und sein Bart sahen zwar gekämmt, aber dennoch ungepflegt aus. Er trug einen Anzug aus einem schmuddelig grauen Wollmaterial. „Zweifelsohne ist er die Sensation des Jahres“, sagte der Moderator mit einem Lächeln. Laurence schaltete die Lautstärke seines Fernsehgeräts hoch. Nachdem eine inhaltliche Zusammenfassung seines Debütromans gegeben wurde, war Laurence mehr als sicher: sie sprachen über sein Buch! Er spürte die Hitze in seinem Gesicht, als er dem Autor dabei zusah, wie er über sein Buch redete. Gefolgt von erneuter Lobpreisung des Moderators: „Der neue Star bei Matchmaker Publishing Houses. … Ein Liebesroman, der in die Fußstapfen von Autoren wie Nora Roberts und Nicholas Sparks tritt…der Autor mit seiner außergewöhnlichen Biographie…hat es nie zuvor gegeben.“ Laurence versuchte sich zu konzentrieren um jedes einzelne Wort zu verstehen, obwohl sein Puls raste. Er erfuhr, dass Peter Rendell auf der Straße gelebt hatte und seinen Lebensunterhalt mit Betteln verdient hatte. Er hatte kaum etwas besessen, außer einer alten Schreibmaschine. An das Papier dafür zu kommen, war das Schwierigste gewesen, da seine einzige Möglichkeit war, die leeren Rückseiten von weggeworfenem Papier zu verwenden, die er im Abfall fand. Oft waren sie zerknittert und schmutzig. Sein Leben wurde umgekrempelt, dank dieser einmaligen Gelegenheit und des Wohlwollens der Verleger. Jetzt lebte er in einer Wohnung und wurde unterstützt, um seine Karriere als Autor fortzusetzen.
Der Film in Laurence’ Kopf wurde immer wieder vor- und zurückgespult, ohne jegliches erkennbare System. Er erinnerte sich an Alice’ entschuldigendes Gesicht, seine Hast das Treppenhaus hinab. Er sah wie seine Hand sein Manuskript wütend in einen öffentlichen Abfallbehälter schmiss. Er hatte der Gestalt, die auf der Bank lag und mit Zeitungen bedeckt war, keinerlei Achtung geschenkt.
„Meine Damen, wenn Sie jetzt schon Tränen in den Augen haben, warten Sie, bis Sie diesen umwerfenden Roman gelesen haben.“ Die Kamera zeigte in Großaufnahme auf das Cover des Buches, das auf dem Tisch stand. Eine Hand pflückte eine Mohnblume aus einem Feld. Laurence stand auf, rasend vor Wut, einen Schritt auf den Fernseher zugehend, unsicher was er tun sollte, während der Moderator den nächsten genialen Autor vorstellte. Laurence’ Fäuste schlossen und öffneten sich, als wären sie von Krämpfen geschüttelt. Er begann durch sein Zimmer zu laufen, unfähig den Rest der Sendung zu verfolgen. Wann immer er näher zum Fernseher kam, sah er zu dem Mann, der voller Unschuld dort saß, aber dem Zufriedenheit im Gesicht stand. Nein, Laurence konnte sein Schicksal nicht einfach hinnehmen. Es war seine Schuld, ja, aber es war immer noch ein Plagiat. Er hatte seit Jahren versucht, den Fuß in die Tür von Literaturagenten und Verlegern zu bekommen. Vor einigen Jahren hatte er einen Karrierewechsel durchgemacht, von einem Bürojob bei einer Versicherungsfirma wechselte er auf Buchhändler im Einzelhandel, ein finanzieller Rückschritt. Es war ein Beruf, der seiner Erfüllung immerhin näher war. Er hatte gehofft, beiläufig mehr über das Verlagswesen und die verschiedenen Verleger zu lernen, erfolgreichen Autoren lauschen zu können und mit ihnen ins Gespräch zu kommen, wenn sie Lesungen in seiner Buchhandlung veranstalteten.
Laurence wurde nach kurzer Zeit gefeuert. Er kümmerte sich einfach nicht genügend um die Kundschaft, hatte seine Chefin gesagt. Seitdem hatte Laurence immer wieder versucht seine berufliche Karriere anzupassen, im Wechsel von einem Job zum nächsten. Nie landete er dort, wo es Zukunftsperspektiven gegeben hätte, gute Bezahlung und genügend Zeit um sich gleichzeitig auch noch seinem Schreiben zu widmen. Oft kam er gerade so um die Runden. Genau da machte Alice mit ihm Schluss. Jetzt war er in seinen Dreißigern, ohne Karriere, ohne Frau, ohne Kinder und das Einzige, was ihm – außer Alice – jemals etwas bedeutet hatte, war durch das unschuldige Lächeln eines Bettlers in Stücke gerissen worden.
Laurence hatte Glück. Nur einen Tag nach der Ausstrahlung von „Books Today“ gab Peter Rendell eine Lesung. Er war ein ziemlich unsicherer Leser, vermutlich war er von den Verlegern aus Marketingaspekten her dazu gezwungen worden. Laurence erkannte jedes einzelne Wort seines Originalmanuskripts. Peter Rendell trug denselben Anzug wie in der Fernsehsendung, entweder weil er keinen anderen besaß oder weil es ebenfalls Teil der Vermarktungsstrategie war. Nach der Lesung war das Publikum dazu angehalten Fragen zu stellen. Laurence spürte wieder, wie die Wut in ihm aufkochte, als er hörte wie Peter Rendell davon sprach, wie er auf die Idee zu dem Roman kam und wie schwer der Schreibprozess gewesen war. Es war vorhersehbar, dass das Publikum nach den Fragen zum Inhalt und zur Entstehung des Buches Fragen zu seiner persönlichen Situation stellen würden.
„Wie kommt es“, begann ein Zuhörer vorsichtig, „dass solch ein talentierter Mann wie Sie auf der Straße lebte?“
Peter Rendell seufzte. „Die Sache ist die, dass man sich seiner Zukunft nie gewiss sein kann. Es mag Sie überraschen, aber ich habe einen College-Abschluss.“ Laurence sah wie sich die Augenpaare um ihn herum bei dieser Offenbarung weiteten. „Ja, es war alles sehr vielversprechend. Ich schreibe, seit ich denken kann. Nach dem College begann ich in der Marketingabteilung einer großen Firma zu arbeiten. Aber dann,“ er zögerte. „Dann verstarb meine Frau und ich begann Drogen zu nehmen.“ Für einen kurzen Moment dachte Laurence er wäre mit Peter Rendell allein im Raum. Er hörte kein einziges Geräusch der anderen Leute im Publikum. Er verstand, dass sie beide ein ähnliches Schicksal teilten – den Verlust der Partnerin – nur dass Peter Rendell viel schlimmer dran war. „Die Kündigung war dann das Ende vom Anfang.“ Du erzählst mein Leben, dachte Laurence verblüfft. „Gerade als ich ein richtiggehendes Wrack war – kein Geld mehr für Drogen und bereit dazu meine Seele zu verkaufen – fand ich eine Schreibmaschine im Müll. Das war mein Lebensretter.“ Seine abgeklärten Augen schauten im Publikum umher. „Ich bin von den Drogen weg und hoffentlich wird das nie wieder geschehen.“ Die Stille um ihn herum brachte ihn dazu weiterzureden um sie zu füllen. „Wissen Sie, es ist nahezu unglaublich was für ein Glück ich hatte. Als ich zum Sitz von Matchmaker Publisher’s ging, betete ich, nicht herausgeschmissen zu werden. Ich reichte der Sekretärin mein Manuskript und bat darum, dass sie es sich sofort ansehen. Das war jedoch nicht die gewohnte Vorgehensweise. Aber da ich weder Telefon noch Adresse besaß, konnte ich ihnen nur sagen, wo sie mich finden konnten – gegenüber des nächstgelegenen Supermarkts. Das war ein besonders erniedrigender Moment – nicht, dass man es mir nicht an der Nasenspitze angesehen hätte. Wie dem auch sei, bereits einige Stunden später kamen sie tatsächlich zu dem besagten Supermarkt.“ Laurence erkannte sogar aus der Ferne die Tränen in seinen Augen.
Peter Rendell räusperte sich. „Haben Sie noch weitere Fragen?“ Stille. Laurence dachte, seine Atmung hätte ausgesetzt, wie die aller um ihn herum. Ein Geräusch trat durch die Stille. Laurence erkannte ein einzelnes Paar klatschender Hände, langsam, leicht, unsicher aufeinandertreffend. Alle schienen kurz irritiert, bis schließlich mehr und mehr Hände dem Beispiel folgten. Ein Taifun von einem Applaus überschwemmte den Raum. Peter Rendell stand auf, seine Brust bebte deutlich unter seinem schweren Atem.
Laurence war gelähmt. Er verblieb auf seinem Sitz, während alle anderen Standing Ovations gaben und schließlich ihre Plätze verließen um das Buch zu erwerben und ein Autogramm zu erhalten. Laurence wartete, bis auch die letzte Person in der Schlange glücklich den Raum verließ. Er stand auf und ging zu dem vermeintlichen Autor. Als er vor ihm zum Stehen kam, traf ihn der Blick von Peter Rendell. „Hi, ich heiße Laurence Cross“, sagte er ohne jegliche Emotion in seiner Stimme.
Ein Blinzeln der Erkenntnis. Peter Rendells Gesicht gefror für eine Sekunde und wechselte schnell zu einem Lächeln. Er schüttelte seinen Kopf. „Sie zu treffen…“ Er schien keine Worte zu finden. „Wissen Sie, ich wollte Sie finden.“ Dann betrachtete er mit Argwohn den dritten Mann, der noch im Raum war, einer der Verleger, der ihn dem Publikum vorgestellt und ihn schweigend während der Veranstaltung Gesellschaft geleistet hatte. Er verstaute gerade die übrig gebliebenen Bücher. Peter Rendell sah zurück zu Laurence, sein Lächeln war verschwunden. „Können wir uns unter vier Augen unterhalten?“, bat er.
Laurence studierte das Gesicht des Verlegers, der entweder so tat als würde er nicht zuhören oder der tatsächlich geistesabwesend war. Er könnte tun, was er sich vorgenommen hatte. Genau jetzt. Er könnte den Betrug aufdecken. Er sah zurück zu Peter Rendell, dessen Gesicht zu einem einzigen großen Flehen mutiert war. Laurence nickte.
„Brauchen Sie meine Hilfe noch?“, fragte Rendell den Verleger.
„Nein, nein, alles in Ordnung. Wir sehen uns nächste Woche.“
Rendell bedeutete Laurence ihm zum Hallenausgang zu folgen. Als sie aus dem Gebäude traten, strahlte die Sonne geradezu grausam ironisch.
„Ich…“, Laurence begann wieder wütend zu werden, gewaltsam löschte er die Erinnerung an die letzte Stunde aus.
„Lassen Sie uns zu dem kleinen Park dort drüben gehen“, unterbrach ihn Rendell. „Und lassen Sie uns irgendwo hinsetzen.“
Sie fanden eine schöne Bank, aber Laurence konnte seine Ruhe nicht zurückgewinnen. Während Peter Rendell sich setzte, blieb er im Angesicht seines Feindes stehen. „Das ist absolut…“, Laurence kochte, suchte nach den richtigen Worten, „…unmoralisch.“ Er war nicht sonderlich zufrieden mit seiner Wahl, begann der Länge der Bank nach von rechts nach links zu gehen wie ein wütendes Elternteil, das kurz davor war, sein Kind auszuschimpfen.
„Ich muss Ihnen etwas zeigen.“ Rendells Stimme blieb ruhig.
Laurence sah auf ihn hinab, immer noch dabei von der einen zur anderen Seite zu gehen. Rendell holte seine Brieftasche heraus. Dabei verlangsamte sich Laurence Schrittgeschwindigkeit. Rendell öffnete sie und zeigte Laurence das kleine Fensterchen für private Bilder. „Laurence Cross“. Schwarze Schreibmaschinentinte auf weißem Papier. Rendell zog das Papier heraus und entfaltete es zu seiner original A4-Größe. Es war das Deckblatt seines Manuskripts. Er reichte es ihm ehrfurchtsvoll, wie ein Hund, der sich auf den Rücken rollt und seinen Hals entblößt, um sich vom Alpha beißen zu lassen.
„Wissen Sie, man könnte vermutlich nachprüfen, dass die Tinte auf dem Manuskript von meiner Schreibmaschine stammt.“ Laurence hoffte, dass man das konnte. Unabhängig davon blieb ihm kein Beweis, dass er der echte Autor war. Oder würden Überbleibsel seiner DANN an dem Papier haften?
„Ich schulde Ihnen mein Leben, Laurence Cross. Und ich hätte das nie vergessen. Ich hätte einen Privatdetektiv beauftragt, wenn es keinen anderen Weg gegeben hätte, Sie zu finden.“ Er atmete schwer. „Ich weiß, ich habe das Schlimmste getan, was jemand nur tun kann. Aber wenn Sie in meiner Situation gewesen wären, hätten Sie vermutlich das Selbe getan. Ich hatte überhaupt nicht erwartet, damit erfolgreich zu sein und vielleicht hat es nur wegen meiner Lebensumstände funktioniert. Es macht nicht gerade Spaß der kleine Liebling der Verleger zu sein, glauben Sie mir. Ich mag es nicht, mein Herz auf der Zunge tragen zu müssen. Aber ganz ehrlich, ich war so verzweifelt, ich hätte zugestimmt, ihnen einmal am Tag den Arsch zu küssen.“
Laurence hielt immer noch sein Deckblatt wie eine Geisel. „Du hast meinen Traum zerstört.“
„Nein, das habe ich nicht. Sie haben Ihren Traum weggeworfen, das können Sie nicht bestreiten.“
Eine unangenehme Stille stellte sich ein.
„Es tut mir leid“, sagte Rendell. „Schauen Sie, ich weiß, das war jetzt nicht der beste Anfang für uns-“
„Was für eine Untertreibung!“
„ABER ich werde alles tun um meine Schuld zu begleichen. Wenn Ihr nächster Roman fertig ist, werde ich es den Verlegern empfehlen.“
Laurence schnaubte. Er fragte sich, ob er nach diesem Desaster überhaupt wieder kreativ sein konnte.
„Ich werde androhen, selbst nicht mehr zu schreiben, wenn sie nicht auch meinen Freund Laurence Cross veröffentlichen. Und sie bauen doch darauf meine Bücher zu vermarkten. Dafür brauchen sie Weiterführung.“
Laurence blieb still.
„UND ich gebe Ihnen mein Honorar für das Buch. Ich muss nur die Wohnung behalten, für die die Verleger momentan aufkommen, und ein bisschen Geld für Brot. Aber alles, was ich erübrigen kann, werde ich Ihnen geben.“
Laurence glaubte ihm, aber trotzdem nagte noch etwas an ihm. „Ich will dein scheiß Geld nicht. Ich will meinen Namen auf diesem Buch.“
„Ich weiß, dass Sie das wollen. Ich schreibe doch selbst.“
Erneut wurde Laurence bewusst, wie ähnlich ihre Leben einander waren.
„Warum arbeiten wir nicht als Team oder so etwas?“, schlug Rendell vor und klopfte auf die Bank, um Laurence zu signalisieren sich endlich neben ihn zu setzen.
„Willst du mich verarschen? Du willst doch nur noch mehr von meinen Ideen stehlen.“ Laurence machte keine Anstalten, sich zu setzen.
„Glauben Sie nicht, Sie sind auch ein wenig von mir abhängig? Ihr nächstes Manuskript wird mit Sicherheit für eine ganze Weile auf einem Stapel bei den Verlegern liegen. Ich hingegen brauche nur meine Autobiographie zu schreiben, die sie mir aus den Händen reißen werden. Wenn Sie sich dazu entschließen, das öffentlich zu machen“, Rendells Kopf deutete auf das Papier in Laurence’ Hand, „bin ich nicht sicher, auf welcher Seite das Publikum sein wird. Glauben Sie mir, anstatt Feinden könnten wir ein gutes Team sein. Wir könnten beide schreiben – an individuellen Texten natürlich, ich werde Ihre Ideen mit Sicherheit nicht klauen, ich habe genügend eigene. Aber wir könnten uns gegenseitig ermutigen und helfen und ich werde wie versprochen meine Schulden abzahlen.“
„Das ist gar nicht möglich.“ Laurence’ energische Stimme war lauter geworden. Er dachte darüber nach, was er noch sagen könnte, aber es war schlichtweg unmöglich, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Er wollte diesen Typen am liebsten anschreien. Er wollte ihn zerreißen. Er wollte…
„Argh…“ Ein wütendes Knurren entfloh seiner Kehle. Er machte auf dem Absatz kehrt und ging, das Blatt Papier knitterte im Wind seiner Bewegung.

Laurence eilte die Treppen zu seiner Wohnung hinauf. Er wäre gern sofort nach Eintreffen in der obersten Etage wieder nach unten geeilt, einfach um seine Gedanken mit Bewegung abzulenken. In seiner Vorstellung rauschte er die Treppen des Hauses hoch und runter. Sein Körper wäre der Vorstellung gern gefolgt, sodass er augenblicklich mit Betreten seiner Wohnung in einen tiefen Schlaf gefallen wäre.
Plötzlich blieb er stehen. „Alice!“ Seine Stimme klang überraschend sanft. Sie saß auf der letzten Treppenstufe vor seinem Wohnungseingang, ihre Arme umschlossen ihre angewinkelten Beine. „Ich hab dir vor einer Weile auf die Mailbox gesprochen“, sagte sie nur.
„Ich bin gerade erst angekommen“, antwortete er, als wäre es nicht offensichtlich.
Alice stand auf, als er näher kam. „Können wir reden?“
„Ja.,..ja,...klar.“ Ungeschickt quetschte er seinen Schlüssel ins Schlüsselloch. Als sie beide die Wohnung betraten, wusste er weder was er tun noch sagen sollte, geschweige denn, wo er überhaupt hingehen sollte.
Alice war still, sah sich ziellos im Raum um als hätte sie nichts zu sagen.
Laurence massierte seinen Nacken mit der rechten Hand. Alice war gekommen um ihn zu sehen. Sie war gekommen um mit ihm zu reden.
„Gott, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll“, gestand sie.
Laurence konnte heute nicht mehr viel ertragen.
„Glückwunsch zu deinem Roman!“ Ihre Stimme war nicht euphorisch, eher zärtlich. Sie klang als wäre sie im Einklang mit ihren Gefühlen.
„Du...weißt davon?“
„Oh man, du weißt doch, dass ich jede einzelne Folge von ‚Books Today’ sehe. Dachtest du, ich würde es nicht mitkriegen? Du hättest jeden engagieren können um dich hinter ihm zu verbergen. Ich meine, du hast deine Heldin nach mir benannt und dann überhaupt, die ganze Liebesgeschichte. Ich bin doch nicht blind oder taub, Laurence.“
„Ich habe ihn nicht engagiert.“ Seine Stimme war rau.
Sie nickte. „Das dachte ich mir schon“, flüsterte sie. “Ist er wirklich obdachlos”, verlangte sie etwas lauter zu wissen.
„Nicht mehr.“
„Oh Laurence!“ Sie schüttelte den Kopf, überwältigt davon, was sie soeben von ihm zu hören bekommen hatte. „Als du letztes Mal mit diesem Manuskript auf meiner Türschwelle standest... Ehrlich, ich habe geglaubt, du bist verrückt geworden. Ich hatte mir meine Meinung über dich längst gebildet. Was ich in dir gesehen habe, war nur dieser verrückte, verzweifelte Möchtegernautor, der töten würde um erfolgreich zu werden.“
Möchtegernautor? „Du hast nicht an mich geglaubt?“
“Doch!”, bestätigte sie. „Ich habe nur befürchtet, dass du dein Ziel vor Augen nicht mehr realistisch einschätzen würdest. Ich dachte alles außer Schreiben und veröffentlicht zu werden war dir unwichtig geworden.“
„Du wirst niemals unwichtig für mich werden.“
„Das ist süß, aber...“, sie hielt kurz inne, „ich habe einfach befürchtet, du wärst zu diesem egoistischen Bastard mutiert, der weder einen Job noch ein Sozialleben hätte. Und du hast nicht wirklich so viel Wert auf mich gelegt wie du jetzt behauptest.“
Laurence seufzte. „Ich weiß, dass du es verdient hast, besser behandelt zu werden. Ich war einfach deprimiert, weil sich mein Leben komplett umgekrempelt hatte und es nicht einmal einen Hoffnungsschimmer gab.“
„Aber andererseits hast du mir nie gezeigt, dass sich dein Leben nicht nur um dich dreht.“ Alice schluckte deutlich sichtbar. „Du bist bescheidener als ich dachte, Laurence Cross.“
Laurence fuhr sich mit der rechten Hand durchs Haar.
„Was hast du da überhaupt?” Alice kam näher und sah sich das Papier in seiner Linken an. Das breite Lächeln auf ihrem Gesicht erinnerte ihn daran wie er sich auf den ersten Blick in genau dieses Lächeln verliebt hatte. „Ich wusste, dass es irgendwann passieren würde“, erklärte sie stolz.
„Also…?”
“Gibt es denn die Möglichkeit, dass du mir meine Sturheit nachsehen kannst?“, flüsterte sie fast.
Er öffnete seine Arme und ließ ihren Körper in die Umarmung gleiten. „Können wir einfach noch mal von vorn anfangen?“, krächzte er.
„Was glaubst du denn, warum ich hier bin?“
„Macht es dir denn dann etwas aus, wenn ich weiter schreibe?“
Sie sah ihm in die Augen. „Das wird mir niemals etwas ausmachen. Ich weiß doch, was es dir bedeutet.“
„Weil...“ Er blinzelte. “Sie wollen, dass ich weiter schreibe.“


Golden Garbage



Laurence almost choked on his water when he heard the title of his manuscript on TV. He put the glass down and stared at the screen which aired ‘Books Today’, his favourite literary talk show. The host was currently presenting a featureless man called Peter Rendell. His long dark hair with streaks of grey and his beard looked combed but still untended. He was wearing a woollen suit in a shabby grey. “Undoubtedly he is the sensation of the year”, the host said with a smile. Laurence turned up the volume of his TV. After a summary of his debut novel was given Laurence was more than certain: they were talking about his book! He felt the heat in his face as he watched the author talk about his book. It was followed by praise of the host again: “The new star at Matchmaker Publishing Houses. … A romance that follows in the footsteps of Nora Roberts and Nicholas Sparks…the author having an extraordinary biography…never been there before.” Laurence tried to concentrate to capture every single word even though his pulse was racing. He learned that Peter Rendell used to live on the streets and begged for money to survive. He had hardly possessed anything apart from an old typewriter. Getting the paper had been most problematic as his only possibility was to use the back of pages he had found in the trash, often crinkled and dirty. His life was turned around thanks to this unique chance and the courtesy of the publishers. He was now living in a flat and was supported to continue his career in writing.
The film in Laurence’s head was put on rewind and fast forward again and again without any system. He remembered Alice’s apologetic face, his rush down her stairs. He saw his hand furiously dash his manuscript into a public bin. No attention did he pay to the figure on the bench covered with newspapers.
“Ladies, if you have tears in your eyes now, wait until you read this stunning novel.” The camera showed the cover of the book that was placed on the table in a close-up. A hand picked up a poppy from a field. Laurence stood up, raging, taking a step towards the TV, unsure what to do, while the host presented the next ingenious writer. Laurence’s fists closed and opened like in spasms. He started walking through his room unable to watch the rest of the show. Whenever he came close to the TV he looked at the man who sat there innocently with contentment written on his face. No, Laurence could not accept his fate. It was his fault, yes, but it was still plagiarism. He had been trying for years to get a foot in the doors of literary agents and publishers. A few years ago he had changed careers from the office job in an insurance company to work as a seller in a bookshop, a financial setback. It was a job that had come closer to his fulfilment. He had hoped to casually learn more about the publishing industry and the different publishers, to be able to watch and talk to successful authors who did readings in their bookshop.
Laurence got fired after a short while. He just did not care enough about the customers his boss had said. Since then Laurence kept modifying his professional career, changing from one job to the other, never ending anywhere with permanent options, good payment and enough time to engage in his writing all at once. Often he only made ends meet. In this process his partner Alice broke up with him. Now he was in his thirties, without a career, without a wife, without any children and the only thing he ever cared about except Alice, was smashed into pieces by the innocent smile of a beggar.

Laurence was lucky. Only one day after the airing of ‘Books today’ Peter Rendell was doing a public reading. He was quite an insecure reader, probably forced by the publishers to do it for marketing reasons, but Laurence recognised every single word of his original manuscript. Peter Rendell wore the same suit like in the TV show, either he did not possess any other or that was part of the marketing machinery, too. After the reading the audience was invited to ask questions. Laurence found himself raging again as he heard Peter Rendell talk about how he got the idea for the novel and how hard it was to write it and to keep on track. It was predictable that after the questions about the content and the development of the book people would ask him about his personal situation.
“How come”, one of the listeners started cautiously, “such a talented man like you lived on the streets?”
Peter Rendell was sighing. “The thing is you can never be sure about your future. It may surprise you but I have a college degree.” Laurence saw how the eyes around him widened at that message. “Yes, it was all very promising. I used to write ever since I can remember. After college I started working in the marketing department of a big company. But then”, he hesitated. “Then my wife died and I started taking drugs.” For a moment Laurence thought he was alone in the room with Peter Rendell. He did not hear a single sound from the other people in the audience. He realised that they both shared a similar fate – having lost their partners – only that Peter Rendell was worse off. “The dismissal from my job was the beginning of the end.” You are telling my life, Laurence thought stunned. “Just when I was a complete wreck – no money for drugs anymore but about to sell my soul – I found a typewriter in the trash. That was my lifesaver.” His eyes, worldly-wise, looked around the audience. “I’m not on drugs anymore and hopefully it’ll never happen again.” The silence made him talk a bit more to fill it. “You know, it’s almost completely impossible how lucky I was. When I went to the office of Matchmaker Publisher’s I was praying not to get thrown out. I handed over my manuscript to the secretary and asked that they have a look at it immediately. But that was not the common procedure. But since I did not have a phone or a home address the only thing I could do was tell them where to find me – opposite the nearest supermarket. That was a very embarrassing moment, not that they hadn’t guessed by my appearance. Anyway, they did come only a few hours later.” Laurence could detect the tears in his eyes, even from the distance.
Peter Rendell cleared his throat. “Is there anything else you’d like to know?” Silence. Laurence thought his breathing might have stopped, like that of everyone around him. Through the silence came a sound. Laurence recognised it as one pair of clapping hand, slowly, softly, insecurely clapping. Everyone seemed bemused for a moment, until eventually more and more pairs of hands joined in. A typhoon of applause suddenly swept the room. Peter Rendell stood up, his chest heavily moving from his breath.
Laurence was paralysed. He remained on his seat while everyone was giving standing ovations and finally leaving their places to go buy the book and get a signature. Laurence waited until the very last person in the queue was happily leaving the room. He stood up and went to the reputed author. When he stopped in front of him Peter Rendell met his gaze. “Hi, my name is Laurence Cross”, he said without emotion in his voice.
Recognition. Peter Rendell’s face froze for a second and quickly changed into a smile. He was shaking his head. “To meet you…” He seemed to be at a loss for words. “Look, I wanted to find you.” Then he was eyeing the third man in the room, one of the publishers who had introduced him to the audience and silently accompanied him during the event. He was now packing the few remaining books. Peter Rendell was looking back to Laurence, his smile had vanished. “Can we talk in private?” he demanded.
Laurence studied the face of the publisher who either pretended not to listen or who was really absent-minded. He could do what he had planned to. Right now. He could reveal the fraud. He looked back at Peter Rendell whose face had turned into one big plea. Laurence nodded.
“Do you still need my help?”, Rendell asked the publisher.
“No, no, everything’s fine. I’ll see you next week.”
Rendell motioned to Laurence to follow him to the exit of the hall. When they stepped out of the building, the sun was heavily shining, ironically showing the bright side of life.
“I…”, Laurence started to get furious again, violently erasing the memories of the last hour.
“Let’s go to that little park over there”, Rendell interrupted. “And let’s sit down somewhere.”
They found a nice bench but Laurence could not regain his calmness. While Peter Rendell sat down, he remained standing right in front of his enemy. “This is absolutely…”, Laurence was steaming, searching for words, “…immoral.” He was not satisfied with his choice, started to move from left to right along the length of the bench like an angry parent about to rant at his child.
“I need to show you something.” Rendell’s voice remained calm.
Laurence looked down on him, still moving from one side to the other. Rendell got out his wallet. At this Laurence’s steps slowed down. Rendell opened it and showed Laurence the little window for private photographs. “Laurence Cross”. Black typewriter ink on white paper. Rendell pulled out the paper and unfolded it to the original A4 size. It was the title page of his manuscript. He handed it to him reverential, like a dog that rolled on his back revealing his throat to be bitten at by the alpha.
“You know they could possibly ascertain that the ink on the manuscript comes from my typewriter.” Laurence was hoping they could. Apart from that he had no proof that he was the original author. Or would there be remains of his DNS on the paper?
“I owe you my life, Laurence Cross. And I was not about to forget that. I would have engaged a private detective if there hadn’t been any other way to find you.” He breathed hard. “I know I’ve done the worst thing one could possibly do. But if you had been in my situation, you would have probably done the same. I didn’t expect to be successful at all and maybe it only worked because of my situation. I’m not happy to be the publisher’s little pet, believe me. I don’t like having to wear my heart on my sleeve. But honestly, I was so desperate, I would have agreed to kiss their butts once a day.”
Laurence still held his title page like a hostage. “You have destroyed my dream.”
“No, I haven’t. You have thrown away your dream, you can’t argue about that.”
An awkward silence occurred.
“I’m sorry”, Rendell said. “Look, I know this isn’t the best start for us-”
“What an understatement!”
“BUT I will do all I can to clear my debt. When your next novel is finished I’ll recommend it to the publishers.”
Laurence snorted. He wondered if he could ever be creative again after this disaster.
“I’ll say I won’t continue writing if they don’t publish my friend Laurence Cross. And they do count on the marketing of my books and for that they need continuation.”
Laurence remained silent.
“AND I will give you my salary for that book. I just need to keep the flat that the publishers are paying for and a bit of money for some bread. But everything I can spare I’ll give you.”
Laurence believed him but something was still nagging at him. “I don’t want your bloody money. I want my name on that book.”
“I know you do. I’m a writer too.”
Again Laurence realised how similar their lives were.
“Why don’t we work in a team or something like that?” Rendell suggested and hit the bench to signal Laurence to finally sit down next to him.
“Are you kidding me? You simply want to steal more of my ideas.” Laurence made no attempt to sit down.
“Don’t you think you’re a bit dependent on me? I’m sure your next manuscript will lie on a pile for some months there. I simply need to write my autobiography which they will snatch from my hands. If you decide to make that public”, Rendell’s head motioned to the paper in Laurence’s hand, “I’m not sure on whose side the audience will be. Believe me, instead of enemies we could be a good team. We could both write – on individual stuff of course, I won’t steal your ideas, I have enough myself. But we could encourage each other and help each other. And as I said I’ll pay off my debt.”
“This is simply impossible”, Laurence’s forceful voice had become louder. He was thinking about what else he could say but it was impossible to find one clear thought. He wanted to scream at this guy. He wanted to tear him apart. He wanted…
“Argh…” A furious growl escaped his throat. He turned on his heel and left, the paper crinkling in the wind from his motion.

Laurence rushed up the stairs to his flat. He would like to rush down again as soon as he would arrive on the highest level, just to distract his mind. His imagination went up and down the stairs of the house, his body would like to follow so that he could immediately fall asleep when he entered his flat.
Suddenly he stood still. “Alice!” His voice was surprisingly soft. She sat on the last step before his entrance door, her arms hugging her legs. “I spoke on your answer phone a while ago”, she simply said.
“I just arrived”, he replied as if it wasn’t obvious.
Alice stood up as he came nearer. “Can we talk?”
“Yeah,…yes…sure.” He clumsily squeezed his key into the keyhole. When they both entered the flat he did not know what to do or say or even where to go.
Alice was quiet, looking around aimlessly in the room as if she had nothing to say.
Laurence massaged the back of his neck with his right hand. Alice came to see him. Came to talk to him.
“God, I don’t know how to start”, she confessed.
Laurence could not bear much more today.
“Congratulations to your novel!” Her voice was not euphoric, rather very sweet. She sounded at ease with her emotions.
“You…know?”
“Oh, come one. You know I watch every single episode of ‘Books Today’. Did you think I would not realise? You could have hired anyone to disguise you. I mean, you named your heroine after me and then the whole romance. I’m not blind or deaf, Laurence.”
“I did not hire him.” His voice was rough.
She was nodding. “I thought so”, she whispered. “Is he really homeless?” she demanded to know a little bit louder.
“Not anymore.”
“Oh Laurence!” She was shaking her head, overwhelmed by what she had heard from him. “When you were standing on my doorstep last time with that manuscript. Seriously, I thought you’d gone crazy. My opinion about you was formed already. What I saw in you was just this crazy, desperate wannabe author who would kill to become successful.”
Wannabe author? “You did not believe in me?”
“I did!”, she said assertive. “I just feared you would not see your aim realistically anymore. I thought everything apart from writing and getting published has become unimportant for you.”
“You will never become unimportant for me.”
“That’s sweet but…”, she paused, “I did just think you had turned into this selfish bastard that neither had a job nor a social life. And you did not take care as much about me as you claim now.”
Laurence sighed. “I know you deserved to be treated in a better way. I was just depressed because my life had turned upside down and there was hardly any hope.”
“But then you did show me that your life is not all about yourself.” Alice swallowed hard. “You are more modest than I thought, Laurence Cross.”
Laurence’s right hand brushed through his hair.
“What do you have there anyway?” Alice came closer and looked at the paper in his left hand. The big smile on her face reminded Laurence how he fell in love with that smile at first sight. “I knew it would happen someday”, she declared proudly.
“So…?”
“So is there a chance you can forgive my stubbornness?”, she almost whispered.
He opened his arms and let her body slide into the embrace. “Can we start all over again?”, he croaked.
“What do you think I’m here for?”
“Do you mind if I keep writing then?”
She looked him in the eyes. “I’ll never mind. I know what it means to you.”
“Because…”. His eyes blinked. “They want me to write some more.”

Dienstag, 3. Januar 2012

Ash


I don’t remember the moment I first came across „Ash“ by Malinda Lo. It might even have been on one of the many blogs of bookaholics I’ve recently found. What a huge community that is – German blogs alone are numerous. “Ash” seems to be a book many of the bloggers have read – AND it’s got a lesbian protagonist? I decided I had to find out about its magic.
Thankfully I found “Ash” in my boots on the morning of St. Nicholas’ Day and I couldn’t wait to start reading.
Usually I read several books at a time but as soon as I had started “Ash” there was hardly space and time for other books. I was so captured by the story and so enjoyed this unique setting that I didn’t want to leave this fairytale world.
“Ash” is a story about the young girl Aisling, called Ash, whose mother dies as the story begins. Her father marries again but soon dies too and leaves Ash at the mercy of her cruel stepmother. Ash becomes servant or rather household slave of her stepmother and her two stepsisters. You know this story? Sure, the literary roots of “Ash” are no secret. The book is advertised as being “Cinderella retold”.
The fairytale background seems to influence the setting. The reader doesn’t know exactly when the story takes place. The world invented by Lo is a timeless universe including two peoples who once were close but separated more and more in their history: humans and fairies. When we meet Ash most humans don’t even believe in fairies and their magic anymore but Ash loves the old tales and stories from her childhood and soon discovers that there is truth in them.
She meets the fairy Sidhean whose touch is cold as ice but who is still so fascinating for Aisling that she cannot keep away from him.
Only when she meets Kaisa, the King’s royal Huntress, she really starts to change – and suddenly her miserable life as a servant doesn’t really matter anymore, as long as she can be near Kaisa.

“Ash” is a beautiful book, beautiful in the sense of the word with a gorgeous cover. I know I said somewhere else that I don’t think photographed portraits are the best choice for a book cover but this one fits perfectly. It’s as dark as the mystical story with sleeping Ash in innocent white.
“Ash” is a fairytale with a spark of a fantasy novel. It tells a story we all know, only a bit darker and with the alteration that the princess is not after the prince.
I don’t know why there is this strong connection of Christmas time and fairytales but Germans are crazy about “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” (/"Three Nuts For Cinderella"), a film based on the Cinderella tale as well. This year I didn’t watch it. I read “Ash” instead. The right book at the right time.

Check this out.
Or check out the FAQ on "Ash" on Melinda Lo's website.


Montag, 2. Januar 2012

Weihnachtsnachbetrachtung mit Froschküssen


Spätestens seit diesem Artikel (*klick*) wisst ihr, dass ich Ereignisse nicht unbedingt zeitnah dokumentiere. Daher folgt nun auch erst meine nachweihnachtliche Meldung.
Ich will nicht protzen, aber einige der Kleinigkeiten und Großigkeiten, die es anlässlich des Fests der Liebe auf meinem Gabentisch gab, möchte ich euch nicht vorenthalten. Sie sind einfach zu goldig.
Schaut euch zuerst einmal die Verpackung dieses Kosmetikprodukts an. Was fällt euch auf?

Richtig, der Lippenbalsam, der in einem innovativen Denglisch daherkommt, beinhaltet tatsächlich Mimosenbutter! Ich wusste bis dato nicht einmal, dass Mimosen für kosmetische Zwecke verwendet werden (können). Mal davon abgesehen, dass ich nicht einmal weiß, welcher Teil der Pflanze da überhaupt zur Butter gemacht wird. Ein neugieriger Blick auf die Inhaltsstoffe bringt nicht den gewünschten Effekt. Ich bin ratlos, weil ich kein Wort finde, das auch nur annähernd wie „Mimosa pudica“ klingt. Sei’s drum, der Lip Protection Balm…äh Balsam ist sehr angenehm, duftet nach Vanille und vor allem Orange und wird von mir hiermit fleißig weiterempfohlen.
Die Weihnachtsfeiertage werden seit jeher in meiner Familie dazu genutzt, mal alle Fünfe gerade sein zu lassen. Da werden Bücher gelesen und Filme geschaut. Passend dazu gab es also eine DVD von einem Film, den ich schon seit Längerem sehen wollte.

Ich bin ein großer Fan von Disney-Zeichentrickfilmen, bin quasi damit groß geworden. Wenn man mal genau darüber nachdenkt, sind viele von ihnen eigentlich furchtbar heteronormativ. Viele der Heldinnen sind Prinzessinnen (wie realitätsnah!), die erst dann vollkommen glücklich sind, wenn sie den entsprechenden Prinzen an ihrer Seite haben.
Viele, aber eben nicht alle. Zwei hervorzuhebende Ausnahmen fallen mir dazu ein: „Pocahontas“ und „Mulan“.
Pocahontas ist eine starke Frau und damit Vorbildfigur für junge Mädchen. Sie zeigt den Zuschauern, dass das Fremde nicht per se schlecht oder gar bedrohlich ist und dass gerade Fremdheit und Vertrautheit sich ergänzen und von Vorteil für alle sein können. Am Ende bekommt sie noch nicht einmal ihren „Prinzen“, das möge man sich einmal vorstellen! 
„Mulan“ spielt im historischen China und arbeitet eine Legende auf. Die junge Mulan gibt sich sich als Mann aus, um in der Armee an der Stelle ihres schwachen Vaters kämpfen zu können. Weil sie damit erfolgreich ist, beweist sie dem chinesischen Volk, dass Stärke und Mut nicht allein den Männern vorbehalten sind und definiert damit Geschlechterrollen neu. Der amouröse Aspekt des Happy Ends scheint nur das I-Tüpfelchen ihres Sieges.
Zum Jahreswechsel lief „Mulan“ auch mal wieder im Fernsehen. Dabei ließ mich vor allen Dingen die Ankündigung in einer Fernsehzeitung stutzen, die die Empfehlung aussprach, sensible Kinder diesen Film nicht allein sehen zu lassen. Entschuldigung, aber wozu gibt es denn die Altersfreigaben? Ich muss „Mulan“ unbedingt demnächst noch einmal unter diesem Gesichtspunkt ansehen.

Bei „Küss den Frosch“ haben wir mal wieder eine Prinzessin vor uns – das mag man zumindest beim Blick auf das Kinoplakat / die DVD-Hülle denken. In Wirklichkeit träumt Tiana nur davon Prinzessin zu sein. Viel mehr noch träumt sie aber davon, dass sich all ihre Arbeit (mühselige Kellnerjobs) irgendwann bezahlt macht und sie ihr eigenes Restaurant eröffnen kann. Diesem Ziel steht ihre Herkunft ein bisschen im Weg. Man möge einmal versuchen im New Orleans der 1920er Jahre als farbige Frau aus bescheidenem Hause eine Immobilie zu mieten! Erwähnte ich, dass Tiana die erste farbige Disney-Prinzessin ist? Schon allein dafür gibt es Pluspunkte!* Bis zur ersten lesbischen Disney-Prinzessin kann es ja dann nicht mehr lange dauern.
Bei einem Kostümball sitzt plötzlich ein Frosch vor Tiana und bittet sie, ihn zu küssen. Es ist Prinz Naveen von Maldonien, der von einem gerissenen Voodoo-Magier in einen Frosch verwandelt wurde. Tiana überwindet sich, doch anstatt ihn zu retten, wird sie selbst zum Frosch. Eine abenteuerliche Reise beginnt, auf der Tiana und Naveen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, den Alligator Louis und das Glühwürmchen Ray kennen lernen. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach Mama Odie, die sie als Einzige von dem Voodoo-Zauber befreien kann.
Besonders brilliert „Küss den Frosch“ durch die fabelhaften Synchronsprecher Roger Cicero und Cassandra Steen. Wer wäre auch besser dafür geeignet, eine Mischung aus Pop, Swing und Jazz zu transportieren, denn natürlich singen die Sprecher in ihren Rollen auch. Wie viele andere großartige Disney-Werke („Tarzan“, „Der König der Löwen“) hat „Küss den Frosch“ einen tollen Soundtrack.
Freigegeben ist der Film ab 0 Jahren, doch ich würde sensiblen Kindern empfehlen sich hinter dem Rücken ihrer Erziehungsberechtigten zu verstecken, sobald der Voodoo-Magier die Mächte aus dem Schattenreich heraufbeschwört. Ich fand einen interessanten, kurzen Artikel der taz, der die Debatten zum Film zusammenfasst (siehe *hier*).
Nun ist dieser Beitrag fast zu einer ausführlichen Filmbesprechung mutiert, wo ich sonst doch nur Bücher bespreche. Was soll’s, Ehre wem Ehre gebührt. „Küss den Frosch“ ist (bis auf Voodoo-Grusel-Szenen) mit das Beste, was ich aus dem Hause Disney kenne.
Zu guter Letzt zeige ich euch noch eine Kleinigkeit vom Gabentisch, die passender nicht sein könnte:

Passend zum Film erhielt ich nämlich meinen ganz eigenen Frosch. Nur echt mit der Glitzerkrone!
Allerdings stammen beide Geschenke von zwei verschiedenen Schenkern und sind nicht abgesprochen. Da werde ich ja fast schon wieder abergläubisch. Will mir der Zufall hier irgendetwas sagen? Ob etwas passiert, wenn ich den Frosch küsse? Da hilft wohl nur ausprobieren und es wird sich zeigen, ob zukünftige Ereignisse in 2012 darauf zurückzuführen sein könnten. J
Gern hätte ich euch jetzt einen guten Rutsch gewünscht, aber ich bin mal wieder zu spät. So kann ich nur hoffen, dass ihr gut hineingeschliddert seid (hoffentlich ohne Bruchlandung). Auf ein erfolgreiches 2012 mit Froschprinzen und –Prinzessinnen mit streichelzarten Knutschlippen, bezaubernden Begebenheiten, faszinierenden Filmen, tollen Ideen und natürlich berauschenden Schreib- und Lesemomenten!

* Ja, es gab schon allerlei Disney-Figuren, die nicht dem Abbild der weißen, angelsächsischen Mittelschicht entsprachen. Ich denke da an die orientalische Jasmin aus "Aladdin" oder den Inuit Kenai aus "Bärenbrüder". Ebenso Pocahontas oder Mulan. Sie alle waren und sind wichtig. Nichtsdestotrotz ist es in meinen Augen etwas Besonderes der Protagonistin eine Hautfarbe zu geben, die ihr automatisch einen Stempel aufsetzte und eine historische Verbindung zur Sklaverei herstellt.

Sonntag, 1. Januar 2012

Samira

Samira aus München lebt ihren Traum.
Als Dragking erkennt man die Frau in ihr kaum.
Ihr eig’nes Haus ist gebaut,
Ihr Kind schreit ganz laut.
Zum Glück als Mann fehlt ihr nur noch ein Baum.