Freitag, 24. August 2012

100 und 1


Ich finde, es ist an der Zeit, mal eine kleine Bilanz zu ziehen. Dies ist nämlich sage und schreibe mein 100. Blogpost. Vor mehr als 1 Jahr habe ich mit diesem Spaß angefangen. Auch wenn sich mittlerweile immer größer werdende Pausen eingeschlichen haben, aufgehört habe ich nicht und werde ich alle Wahrscheinlichkeit auch nicht (auch wenn die Pausen wieder nicht zu vermeiden sein werden).
Ich möchte diesen Post auch nutzen um euch reinen Wein einzuschenken. Mimi, mein Mimöschen, ist nicht wiederauferstanden. Ich habe keinen grünen Daumen. Oder Mimi hat sich doch etwas sehr mimosenhaft gegeben. Ich hatte eine Weile mit dem Gedanken gespielt eine Mimi 2.0 zu ziehen, aber ich lass es wohl besser gleich sein. Ich hoffe nur, das ist kein schlechtes Omen für diesen Blog. Eigentlich müsste er zeitgleich mit Mimi verbuddelt werden (denn Mimi war ja das Maskottchen des Blogs). Aber ich brings nicht übers Herz. Was meint ihr denn, tut das Not oder kann ich diesen Blog ruhigen Gewissens weiterführen?
Und wenn ja, würde mich anlässlich dieses kleinen Jubiläums ja mal interessieren, was ihr an diesem Blog besonders wertschätzt…oder anders gefragt, was ihr euch für die Zukunft mal wünschen würdet. Ich geb da jetzt gar nichts vor, sondern lass mich überraschen. Oder auch nicht und mach weiter wie bisher J.

Dienstag, 21. August 2012

Freundefinder


Marie-Claire tat was Skandalöses
Im Sinn stand ihr dabei nichts Böses.
Hat sich selbst aus Facebook entfernt,
Denn sie hat aus ihren Fehlern gelernt.

Stattdessen belebt sie eine alte Mode
Entweckt das Poesie-Album der Schlafperiode
Das Problem dabei war klein:
Keiner schrieb sich ein.

Montag, 20. August 2012

Schüchternes Mädchen trifft knallharte Butch


Es gibt Bücher, die es schaffen, eine ganz explizite Stimmung zu transportieren. Dazu gehört für mich „Shy Girl“ von Elizabeth Stark.
Sobald man auch nur wenige Sätze gelesen hat, ist man von Melancholia ergriffen. Die rührt von dem dauerhaften Leben in der Vergangenheit her. Es ist Alta, die coole Bodypiercerin aus San Francisco, in der Szene bekannt wie ein bunter Hund (nicht zuletzt wegen ihrer sexuellen Abenteuer), die immer wieder in Erinnerungen schwelgt. Denn obwohl ihr Leben eigentlich erfüllt ist, hängt sie den Zeiten nach, in denen sie mit Shy glücklich war. Shy (die eigentlich Sasha heißt) war die Tochter der Nachbarin. Sie war zwei Jahre älter und freundete sich schnell mit Alta an. Bald war es Alta, die sich reifer fühlte. Sie wusste als Erste über ihre Gefühle für Shy, aber auch Shy spürte die Anziehungskraft, die bald über Freundschaft hinausging. Diese Erinnerungen wirken auf den Leser oft nicht wie ein literarisches Mittel sondern so wie Erinnerungen im realen Leben sind; nämlich viel mehr als nur Erlebtes; etwas, das einen bis ins Mark geprägt hat.
Altas Erinnerungen werden stärker denn je hervorgerufen, als sie die Nachricht erhält, dass Shys Mutter wegen einem Schlaganfall im Krankenhaus liegt. Die etwas eigenwillige Mrs. Mallon hat Alta damals bei sich aufgenommen, als diese mit ihrer eigenen Mutter zunehmend Probleme hatte. Mrs. Mallon ist daher viel mehr als nur eine Nachbarin. Sie ist der Rettungsanker, der Alta zwar auch mehr als genug Rätsel aufgegeben hat, aber den sie auch uneingeschränkt wertschätzt, weil sie von ihr immer so akzeptiert wurde, wie sie war.
Seit etlichen Jahren hatte Alta keinen Kontakt mehr zu Shy und wüsste auch gar nicht, wie sie sie erreichen sollte. Der Zufall will es, dass sie mit der Wiederwahltaste von Mrs. Mallons Telefon Erfolg hat. Shy sträubt sich erst, aber willigt schließlich ein, sich von Seattle auf den Weg zu machen. Sie hat ihre Mutter nicht mehr gesehen, seit sie nach der Schule fortgezogen ist und ihren eigenen Weg gegangen ist. Und jetzt hängt das Leben ihrer Mutter in der Schwebe.
Als Alta Shy vom Flughafen abholt, wartet die erste Überraschung auf Alta. Es ist nicht die letzte, die das Buch bereithält und je mehr Alta in der eigenen Vergangenheit gräbt, desto mehr Wahrheiten kommen ans Tageslicht – nicht immer zur Freude aller Beteiligten.
Was die optische Aufmachung angeht, so setzt Orlanda für das Cover auf eine Fotografie der bekannten Fotografin Anja Müller. Ich finde sie auch sehr ansprechend, aber leider decken die Frauen sich nicht mit dem Bild in meinem Kopf, das ich mir im Laufe des Lesens von Shy und Alta machte. Das tut dem Buch jedoch keinen Abbruch. Der Amerikanerin Elizabeth Stark ist mit „Shy Girl“ ein toller Roman gelungen, auf dessen Nachfolger wir weiterhin gespannt sein können („Shy Girl“ erschien 2002; in der Information zur Autorin stand, dass sie an einem nächsten Roman arbeitet).
Lieblingszitat: „"Aber Neugier ist auch eine Art Wissen, ein Wissen, dass es etwas zu wissen gibt." (S. 141)
Fazit: Atmosphärisch, berührend, unvergesslich.
Geeignet für: Melancholische Wanderungen in die Vergangenheit.
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