Mittwoch, 19. Dezember 2012

100 Seiten deutsche Zeitgeschichte


Dass Comics nicht nur von Superhelden mit übermenschlichen Fähigkeiten erzählen müssen, beweist „drüben!“ von Simon Schwartz. Was ursprünglich ‚nur’ als Diplomarbeit des damaligen Hamburger Studenten gedacht war, mutierte zu einem überaus erfolgreichen Großprojekt, das auch ich hier nur wärmstens weiterempfehlen kann.
Schwartz arbeitet aus persönlicher Motivation heraus seine ganz individuelle Vergangenheit auf. Anfang der 80er, als er gerademal ein Jahr alt war, reisten seine Eltern mit ihm von der DDR nach West-Berlin aus. Er wuchs in der BRD auf und musste Stück für Stück begreifen, was da mit Deutschland los war, warum es so aufwendig war, Bekannte zu besuchen, die weiter weg wohnten und warum seine Großeltern den Kontakt abgebrochen hatten.
Für dieses bewegende Projekt grub Schwartz tief in der eigenen Familiengeschichte und fragte mehr als einmal genauer nach. „Drüben!“ stellt einfühlsam den Lebensweg und die Beweggründe seiner Eltern dar. Dabei ist nicht nur die Handlung authentisch, auch zentrale Orte wurden – soweit möglich – genau recherchiert um sie entsprechend grafisch darzustellen (so z.B. die Ein- und Ausreisepunkte, die penibel genau überwachten, wer wann wo welches Land verließ oder betrat).
Wer also noch schnell ein Weihnachtsgeschenk braucht (vielleicht sogar für Menschen, die sonst kaum Bücher in die Hand nehmen), kann mit „drüben!“ eigentlich nicht falsch liegen.
Fazit: Brillantes Dokument deutscher Zeitgeschichte.
Geeignet für: ‚Wessis’ und ‚Ossis’ und alle, die sich diesbezüglich nicht  (mehr) festlegen wollen.
Mehr hier.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen